Sonntag, 3. August 2008

Von der See in die Heide

Das ist ja das Schöne, wenn man im Osten von Hamburg wohnt: Man ist in knapp 45 Minuten an der See. Und in der gleichen Zeit in der Lüneburger Heide. Beide liebe ich sehr, aber noch viel mehr eben die Tatsache, dass ich beide in so kurzer Zeit bequem erreichen kann. Freitag nach dem Frühstück an die Lübecker Bucht gefahren und in Haffkrug am Strand gelegen, Sonnabend zum Kaffeetrinken nach Döhle. Natürlich nicht nur. Ein paar Dosen mussten natürlich dabei noch gesucht werden.


Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir fahren wie viele andere Hamburger am liebsten nach Timmendorfer Strand. Aber in der Hauptsaison kann man das natürlich knicken. Dann fahren wir ein paar Kilometer weiter bis nach Haffkrug. Weniger groß, weniger schick, vor allem aber weniger voll. Als wir am Freitag um die Mittagszeit dort ankamen, fanden wir sogar bequem noch einen Parkplatz direkt am Strand. Besser gehts nicht.

haffkrug.jpg Ich hatte mich schon auf einen ziemlich langweiligen Nachmittag eingestellt, denn die fußläufig zu erreichenden Caches hatte ich schon gefunden oder sie waren archiviert. Dachte ich zumindest. Denn nachdem ich aus reiner Langeweile den GPS-Empfänger angeschaltet hatte, zeigte er mir eine Dose in nur 1.000 Metern Entfernung an: Ein Cache namens Anno Domini 1899. Leider nur bei geocaching.com gelistet, und deren Website funktioniert ja schon in einem normalen Browser nicht richtig, auf dem Handy schon gar nicht und das WAP-Portal wird anscheinend nicht weiter gepflegt, denn auch das funktioniert nicht richtig. Zwar zeigt es einem die Cachekoordinaten auch ohne vorheriges Login, dafür fehlen aber wichtige Informationen wie Cachegröße, Difficulty- und Terrainwertung. Spoilerfotos gibt es überhaupt nicht. Ich kann es ehrlich gesagt noch immer nicht nachvollziehen, wieso die Leute ihre Caches nicht bei opencaching.de publizieren, obwohl dort Funktionalität und Performance um Klassen besser sind, als bei geocaching.com — und zudem noch kostenlos und werbefrei. Die komplette Website funktioniert auch auf dem Handy-Browser.

Jedenfalls zog ich mir die Badelatschen an, verkündete Mrs. Smith, mir ‘ne Portion Pommes holen und in 40 Minuten zurück sein zu wollen und schlappte von dannen. Zunächst die Strandstraße entlang nach Norden und über die Ortsgrenze zu Sierksdorf hinweg. Dann nach links in eine Straße hinein, die bezeichnenderweise “Waldwinkel” heißt. Nach 250 Metern auf einem Feldweg erreichte ich den Waldrand, an dem sich so eine Art Hüttendorf befindet. Einfache, kleine Wochendhäuser, aber gut gepflegt. Wo war jetzt der Turm, um den es bei diesem Cache geht? Nichts zu sehen. Und der GPS-Empfänger versuchte mal wieder, mich unter dem dichten Buchenwald zum Narren zu halten. Ich lief erstmal gründlich am Turm vorbei, weil ich den Blick in die falsche Richtung gewandt hatte. Aber selbst auf dem Rückweg entdeckte ich das Ziel nicht. An einem Punkt, an dem ich laut GPS angeblich nur 35 Meter entfernt sein sollte, entschlied ich mich, den Suchradius zu erweitern und mal einen schmalen Trampelpfad zu probieren. Was soll ich sagen? 15 Meter weiter sah ich dann tatsächlich den Turm. Unglaublich, aber wahr: Das klotzige Ding steht auf einem Hügel mitten im Wald, aber so, dass man es erst bemerkt, wenn man unmittelbar davor steht.

Dummerweise wiederholte sich das Theater dann in ähnlicher Ausprägung bei der Cachesuche. Ich musste mir erneut das Listing auf das Tragtelefon laden, den Hint lesen und tappte dennoch planlos umher. Als ich die Dose schließlich entdeckte, stellte ich ernüchtert fest, dass ich es auch hätte einfacher haben können, wenn ich mich wörtlich an den Hint gehalten hätte. Die einfache und naheliegende Variante führt hier zum Erfolg. Die Dose, verpackt in eine Tüte, war zwar nicht hitverdächtig, aber der Cache eine schöne Abwechslung und der beschriebene Aha-Effekt schon eine Besonderheit. Nach 3.600 geschlappten Metern erreichte ich wieder mein Liegetuch am Strand. Allerdings ohne Pommes, denn in der Fischbratküche waren sie gerade damit beschäftigt, Fisch zu frittieren, weil sie ansonsten nichts zum Belegen der Brötchen hätten. Aus Protest kaufte ich kein Backfischbrötchen, sondern ein Krabbenbrot.

wacholder.jpg Am Sonnabend ging die Reise dann, nicht zuletzt wegen des etwas durchwachseneren Wetters, in die Lüneburger Heide. Nach einem ordentlichen Stück Buchweizentorte (etwas trocken) und einem Kännchen Kaffee im Heidehof Döhle gingen wir nach Wilsede. Den ersten Cache gleich hinter dem Ortsausgang ließ ich rechts liegen. Denn die Antwort auf die Frage “Und nun?” findet sich im “May require wading”-Icon. Und vor einer Wanderung die Füße im Wasser aufweichen ist ja nun keine so gute Idee. Um es vorweg zu nehmen: Auch auf dem Rückweg haben wir den Cache nicht gesucht, wir waren müde und hungrig und wollten schnell nach hause.

heide.jpg Der erste Fund des Tages war dann “Hannibals Grab“, ein Cache des freundlichen Herrn Sobo, auf dessen Caches ja immer Verlass ist und man sich allein schon deswegen verpflichtet fühlt, unter allen Umständen seine Cache zu suchen, weil er selber sich ja sogar noch zum miesesten aller Leitplankenmultis ein paar nette Worte des Dankes abringt.
Am Cache waren schon zwei Leute zugange und hantierten mit irgendwelchen Gegenständen. “Guck mal, die zwei haben irgendwas in den Händen, das sind wohl auch Geocacher”, sagte ich zu Mrs. Smith. “Weil die mit ihren Fahrrädern nebeneinenander gefahren sind, musste ich vom Weg runter, als sie uns eben überholt haben”, knurrte die Agentin ungnädig. “Los, wir gehen mal näher, vielleicht haben die die Dose schon.” — “Nee, geh alleine, ich setz’ mich hier auf einen Stein”, verweigerte Madame den Dienst.

gloeckchen.jpg Beim Näherkommen verwandelte sich das vermeintliche Cacherpärchen zunächst in Angehörige einer seltenen Glaubensgemeinschaft, die am Grab dem großen Hannibal huldigten. Und reduzierte sich einen Moment später auf zwei fotobegeisterte und sehr freundliche Berliner, die auf Hannibals Grab Steinpyramiden aufstapelten, um sie dort zu fotografieren. Solchermaßen mit kleinen Steinchen und sich selber beschäftigt, beachteten sie mich nicht, so dass ich mich den größeren widmen und den Cache schnell bergen konnte. Nach dem Loggen ließen sich die beiden noch mit Ihrer Kamera von mir fotografieren. Und als sie dann an ihren Fahrrädern hantierten, konnte ich die Dose wieder zurücklegen.

schnuckenherde.jpg Nach einer sehr kurzen Pause in Wilsede gingen wir mit einem “kleinen” Schlenker durch den Totengrund zurück. Das im Wortsinne Naheliegendste wäre es gewesen, von Sellhorn aus zu starten, wenn man zum Totengrund will. Aber das wäre ja zu einfach. Außerdem habe ich alle Caches entlang dieser Strecke (bis auf einen) bereits geloggt.
Die Route durch den Totengrund und über den Hermann-Löns-Weg zurück nach Döhle ist übrigens eine der reizvollsten Strecken der Gegend überhaupt, denn sie führt sowohl durch ausgedehnte Heideflächen, vorbei an Schafställen und Bienenzäunen, als auch durch Moor und Wald — also allem, was die Lüneburger Heide so einzigartig macht. Eine Heidschnucke kam aus der Herde hervor und wollte gekrault werden, eine kleine Blindschleiche schlängelte sich quer über unseren Weg, eine Zauneidechse beobachtete uns durch das Heidekraut und ein Falke flog eine zeitlang von Begrenzungspfahl zu Begrenzungspfahl vor uns her.

Nach insgesamt 13,3 Kilometern Wegstrecke und knapp zweieinhalb Stunden in Bewegung — angehalten haben wir nur zum Suchen und Loggen — waren wir wieder zurück am Oschnmobil. Übrigens: Gerade beginnt die Heideblüte. In den nächsten drei Wochen ist die beste Zeit für einen Kurztrip in die Heide für alle diejenigen, die auf der Suche nach Postkartenmotiven sind.