Sonntag, 7. September 2008

Better Run Through The Jungle

Ich bin wieder zuhause. Und nach einem kurzen informellen Treffen mit Herrn Olli und Frau Alligateuse am Freitagabend und einem ebenfalls cachelosen Sonnabend habe ich heute damit begonnen, die in der Zwischenzeit in der Homezone entstandenen Caches abzuarbeiten. Die passende Musik dazu kam aus dem Autoradio. Wie zufällig hatte ich CCR aufgelegt:

Whoa, thought it was a nightmare,
Lord, it’s all so true,
They told me, don’t go walking slow
‘Cause devil’s on the loose.
(Creedence Clearwater Revival: Run Through The Jungle)

Der erste Cache war ein Mystery. Kleine Lock&Lock-Dose unter einer Brücke, selbst an einem Sonntagnachmittag unauffällig zu loggen. Solide Angelegenheit also. Vorher war eine kleine Physikaufgabe zu lösen. Mit Hilfe eines Java-Applets eine Sache von einer Minute.

Der zweite Cache war das Werk eines Newbies. Ich bin ja selber einer, insofern gebe ich jedem Anfänger gerne eine Chance. Hier allerdings ließ der Listingtext schon Schlimmeres erahnen:

“Der Cach ist in einen Gassibeutel gewickelt - nicht wundern - aber dadurch fällt er weniger den Hunde- und Gärtnermugglern auf.”
(Originaltext Cachelisting)

bank.jpg Die geschätzten Leser und -innen werden sich nun vielleicht überlegen, wie eine Umgebung wohl aussehen mag, in die sich ein in einen Hundesche*ßebeutel verpackter Cache unauffällig einfügt. Richtig, genau so sah es dort aus. Und abgesehen davon, dass — wenn auch nicht das Cacheversteck selber, doch zumindest die weitere — Umgebung großflächig vermüllt war, befindet sich das Versteck nur einen Steinwurf von einer Kindertagesstätte entfernt. An einem Sonntagnachmittag nicht das Problem, aber wir wissen wohl, wie es in den Augen unbedarfter Mugglemütter aussieht, wenn erwachsene Kerle 30 Meter neben einem Kindergarten im Gebüsch rumstehen.

Ich habe mir nach dem Fund überlegt, was denn wohl ein Fremder über diesen Cache denken muss. Nehmen wir mal an, ein Cacher aus einer anderen Stadt, vielleicht sogar aus einem anderen Land, ist zu Besuch hier in Hamburg. Er hat wenig Zeit, vielleicht nur für einen einzigen Cache. Und weil er in der Nähe ist, sucht er ausgerechnet diesen hier. Welchen Eindruck wird er also hinterher vom Owner, von der Stadt und von ihren Geocaches haben? Was wird er zuhause darüber berichten?

ratten.jpg Bei dieser Gelegenheit wurde mir sehr deutlich bewusst, dass jeder einzelne Cacher Teil des Ganzen ist. Und jeder damit auch ein Stück Verantwortung trägt. Leider haben das einige offenbar nicht erkannt. Die Reaktion des anonymen Sockpuppet-Users “wartungsteam” nach einem erneuten SBA-Log zum Baumklettercache im Naturschutzgebiet Heuckenlock und die Untätigkeit der Reviewer in dieses Sache lässt zumindest für mich keinen anderen Schluss zu.

Verantwortung und Verantwortlichkeit ist auch ein Thema im Zusammenhang mit dem Unfall, der sich im Raum Braunschweig an einer Brücke über den Mittellandkanal ereignet hat, an der sich auch ein Geocache befindet. Ein Mensch stürzte dort ab und verletzte sich schwer. Die Vermutung liegt zwar nahe, aber noch ist unklar, ob es sich dabei um einen Geocacher handelt. Die darum entbrannte Diskussion im grünen Forum ist sehr emotional geführt worden, zeigt aber überdeutlich, dass etliche Cacher die Verantwortung gerne allein den Suchenden in die Schuhe schieben wollen. Mit dieser Attitüde lassen sich ganz bequem auch mal grenzwertig-regelwidrige bis illegale Caches realisieren. Und der Owner wäscht mit der Devise “jeder kann, keiner muss” seine Hände in Unschuld. Ich denke, wir werden dieses Thema in unserem nächsten Podcast noch einmal aufgreifen, soviel bereits an dieser Stelle vorab.

Thought I heard a rumblin’
Callin’ to my name,
Two hundred million guns are loaded
Satan cries, take aim!
(Creedence Clearwater Revival: Run Through The Jungle)

Der dritte Cache des heutigen Tages lag nur einen Katzensprung entfernt. Aber hier war mir von vornherein klar, dass ich ihn nicht würde bergen können. Und auch nicht wollen. Er befindet sich in(!) einem Teich. Man muss also entweder barfuß oder mit hohen Stiefeln über den schlammigen, mit Blätter und Ästen und Gottweißwas bedeckten Gewässergrund stapfen, um an den Cache zu kommen, der an einem Baum einige Meter vom Ufer entfernt befestigt ist. Kein Problem, wenn sich dieser Teich in einem einsamen Wald befände. Nur befindet sich besagtes Gewässer aber in einem öffentlichen Park. Unauffälliges Bergen unmöglich. Ich wollte mir das Ding dennoch wenigstens mal angesehen haben. Letztlich entpuppte sich der Cache aber als das, was ich schon vermutet hatte: Ein weiterer Grund, um die Premium-Membership zu erwerben, nur um die Möglichkeit zu haben, das Listing auf die dann vorhandene Ignoreliste zu schieben.
Oder alternativ ausschließlich Opencaching.de zu nutzen (worüber ich in letzter Zeit immer häufiger nachdenke, ehrlich gesagt).

Der nächste Fund war dann wieder ein grundsolider Taditional am Ufer der Bille zwischen Reinbek, Wentorf und Hamburg-Lohbrügge. Besonderer Gag: Ein Abreissblock mit ein paar dutzend FTF-Urkunden. Für jeden Finder eine. Ich habe darauf verzichtet, mir eine mitzunehmen, weil ich mich nicht unbedingt zu den FTF-Jägern zähle. Aber die Art, wie hier eben jene ein klein wenig auf den Arm genommen wurden, hat mir durchaus gefallen.

Zum Kaffeetrinken fuhren wir an die Elbe, ins Zollenspieker Fährhaus. Auf dem Nachhauseweg sammelten wir zwei der drei neuen Caches von stoertebeker ein: Einen Mikro an der Kirchwerder Mühle und einen Regular am Marschenbahndamm. Die Mühle ist ganz nett und beherbergt ein kleines Kaffee. Was den Marschenbahndamm angeht: Kennste einen, kennste alle. Ein Damm eben, rechts und links von Erlen, Eichen und Pappeln gesäumt, mit einem doppelten Betonplattenweg, an manchen Stellen auch asphaltiert. Daneben Wiesen und Felder. Schwerer Boden, von Entwässerungsgräben durchzogen.
Aber für einen kurzen Spaziergang immer gut (vom Homannring aus sind es nur rund 500 Meter, während man vom Oortkatenweg fast die doppelte Distanz bis zum Cache laufen muss). Außerdem habe ich alle anderen stoertebeker-Caches auch gefunden. Nur einer ist noch offen, aber den sammle ich nächste Woche dann noch ein.

kreuz.jpg Den Schluss bildeten zwei Caches an der Elbe. Der eine liegt am Hohendeicher Yachthafen. Aber die Aussicht, der “harbour view” (so der Name des Caches) auf den Elbstrand (so heißt der Owner), fand ich fast weniger interessant als die Umgebung. Zum einen steht am Weg, der zum Cache führt, ein noch vergleichsweise junges Holzkreuz mit den Lebensdaten eines 25-jährigen Mannes, was neugierigen Menschen wie mir natürlich Rätsel aufgibt, die es zu lösen gilt.
Zum anderen fanden sich Mrs. Smith und ich ungewollt in einer ähnlichen Situation, wie ich sie kürzlich mit dem dicken Olli erlebt hatte: Auf dem großen Parkplatz ostwärts der Werft war ein Herr einer Dame irgendwie behilflich. Auf der Rücksitzbank seines Ford Galaxy. Der Rest war bekannt, denn hier an der Spundwand hing früher mal eine Filmdose.

Du willst doch wohl nicht nochmal da vorbei und auf dem Parkplatz wenden — was sollen die denn von uns denken?
(Mrs. Smith beim Abmarsch vom Cacheversteck)

Und — last but not least — ein Traditional am Holzhafen in der Billwerder Bucht mit dem etwas irreführenden Namen “Wattenlöper”. Man muss nämlich gar nicht Schlickrutschen, um den Cache zu bergen. Die Gummistiefel können also zuhause bleiben, Turnschuhe genügen. Solide Lock&Lock-Dose mit selbstgebastelter Halterung nebst einer Art Tarngirlande, die allerdings erste Auflösungserscheinungen zeigt. Schön gemacht. Kleiner Wermutstropfen: Die Straße, die zum Cache führt, ist zufahrtsbeschränkt. Anlieger frei. Was wohl die meisten Geocacher (unberechtigt) zu ihren Gunsten auslegen dürften.

Nächste Woche geht die Reise nach Jena. Mal sehen, was es dort so zu entdecken gibt. Aber irgendwie wäre mir jetzt — nach Urlaub auf Schöne-Kleine-Insel und einem Nachmittag mit Homezone-Caching — eigentlich viel eher nach besagtem Song von CCR: Run through the jungle.