Montag, 2. Februar 2009

geocaching.mac: Teil 1 — RoadTrip statt MapSource

Es soll ja Leute geben, die auf einem Apple eine Partition anlegen, auf der sie Windows installieren. Was dank der Hard- und Softwarearchitektur des Macs und mit Hilfe des Partitionsmanagers „Boot Camp“ problemlos möglich ist. Auch die rückstandslose Entfernung des Microsoft-Betriebssystems ist einfach. Aber ist Windows wirklich nötig oder geht es auch ohne — pure Mac Geocaching?

roadtrip_icon.jpg Was der Geocacher zuvorderst braucht, ist ein Tool, um den Receiver mit Wegpunkten zu befüllen. Zwar kann man das auch händisch tun, aber auf Dauer wird das zu einer langwierigen und umständlichen Angelegenheit. Zwar funktioniert das Browser-Plugin von Garmin für geocaching.com auch in Safari, dem Standardbrowser von Apple. Aber bei einer größeren Zahl von Wegpunkten ist auch der Upload der einzelnen GPX-Files vom Browser auf den Receiver ziemlich zeitraubend. Hilfe bieten Softwaretools, mit denen sich Wegpunkte bearbeiten und auf den Empfänger laden lassen. Für Garmin-Geräte steht bei Windows-Usern natürlich MapSource an erster Stelle. Damit lassen sich nicht nur Wegpunkte vom Rechner auf den Empfänger (und vice versa) laden, sondern auch Routen, Tracks und Kartendaten. Spätestens bei den Geräten mit Kartendarstellung führt ohnehin kaum ein Weg daran vorbei. Mac-User schauten hier noch vor kurzem in die Röhre. Denn ein entsprechendes Pendant für OS X gab es nicht.

Das änderte sich Anfang September 2008. Denn da brachte Garmin sein Programm RoadTrip auf den Markt. Kostenlos und ohne den Zwang eines Freischaltcodes für die Installation wie unter Windows. Bis dahin gab es nur Beta-Versionen des Tools, die unter dem Namen „Project Bobcat“ firmierten.

Raider heißt jetzt Twixx
Die Bedienung von RoadTrip unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von MapSource. Die Menüaufteilung ist identisch. Die Oberfläche wirkt dennoch irgendwie aufgeräumter und moderner als unter Windows.

roadtrip_screenshot.jpg Der Aha-Effekt stellt sich erst nach der Installation der Karten ein. Denn die Kartendarstellung unterscheidet sich deutlich von MapSource. Selbst die Topo Deutschland v1 sieht wie neu aus. Unter anderem werden alle zweispurig befahrbaren Wege hier zweigestrichen dargestellt. Wie auf einem richtigen Kartenblatt. Routen und Tracks werden halbtransparent über die Karte gelegt, auch dies trägt zur moderneren Anmutung bei. Unnötig zu erwähnen, dass die Performance auf dem Mac keine Wünsche übrig lässt.

mapinstall_icon.jpg Es gibt aber dennoch gravierende Unterschiede zu MapSource. Denn die Verwaltung der Kartendaten übernimmt RoadTrip nicht, womit sich auch der Namenswechsel erklärt. Um die Kartendaten auf den Mac und vom Mac auf den GPS-Empfänger zu bekommen, wird ein weiteres Tool benötigt: Garmin MapInstall. Das kommt im Bundle mit dem MapManager. Letzterer arbeitet vollautomatisch und installiert die Karten schnell und ohne Fisimatenten auf dem Mac.

mapinstall_screenshot.png Nach dem Start sucht MapInstall nach einem GPS-Gerät. Das üblicherweise sofort gefunden wird, wenn es am USB-Port des Mac angeschlossen ist. Was folgt, ist die von MapSource bekannte Prozedur: Man wählt in der Übersicht den Kartensatz und die zu installierenden Kacheln und klickt auf „Karten senden“. Fertig.

Bleibt noch die Frage, woher die Kartendaten stammen. Mac-fähige Karten bietet Garmin nicht an. Bislang nicht. Denn die für April 2009 angekündigte Topo Deutschland v3 soll erstmals auch eine auf Apple-Rechnern installierbare Datei umfassen. Windows-Umsteiger müssen aber trotzdem keine neuen Karten kaufen. Die alten können nach der Konvertierung in ein Mac-fähiges Format weiterbenutzt werden. Der Haken: Diese Konvertierung muss auf einem Windows-Rechner geschehen. Das dazu erforderliche Tool heißt MapConverter. Es wandelt die zuvor in MapSource unter Windows freigeschalteten Kartensätze für den Macintosh um und erzeugt wahlweise installierbare Dateien mit der Endung .gmapi bzw. gepackte Archive im Format .tgz. Beides lässt sich mit beliebigen Datenträgern auf den Apple übertragen und startet bei Aufruf bzw. nach dem Entpacken den Garmin MapManager, der die Karten dann installiert (siehe oben). Die Karten liegen anschließend im Verzeichnis ~/Library/Application Support/Garmin/Maps. Ich erwähne das, weil sich mit dem MapManager auch Open Street Map Kartendaten installieren lassen. Allerdings fand ich in verschiedenen Foren Hinweise darauf, dass die OSM-Karten nicht immer fehlerfrei funktionieren. Da ist es dann unter Umständen hilfreich, zu wissen, wo die Dateien abgelegt sind, um sie wieder entfernen zu können.

Es geht also leider doch nicht ganz ohne Windows, das zum Freischalten der Karten und zur Konvertierung zwingend benötigt wird. Die Konvertierung kann übrigens durchaus mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Während meine Topo Deutschland v1 in wenigen Minuten umgerechnet wurde, benötigte mein IBM ThinkPad R61 (Core 2 Duo, 1.8 GHz, 1 GB RAM) für die City Select Europe v7 satte 24 Stunden. Dass ich als Speichermedium eine — wenn auch sehr schnelle — SD-Karte im internen Kartenslot des ThinkPads benutzt habe, könnte das Tempo allerdings ungünstig beeinflusst haben. Dennoch sollte man die Konvertierung nicht starten, wenn man den PC dringend für andere Aufgaben benötigt.

poi-loader_screenshot.png Abschließend noch ein kleiner Wermutstropfen: Die Möglichkeit, benutzerdefinierte Wegpunktsymbole auf den Garmin-Receiver zu laden, funktioniert unter Mac OS X leider nicht. Zum einen gibt es xImage, das Tool für den Upload, nicht für den Apple. Zum anderen funktioniert auch der Garmin POI Loader, von dem es eine Mac-Version gibt, nicht in Verbindung mit meinem GPSmap 76CS. Darauf befinden sich zwar seit Windows-Zeiten die nach der Anleitung von 4lagig-deluxe angelegten Symbole, aber wie man sie von dort auf den Apple bekommt und Garmin RoadTrip dazu bringt, diese auch darzustellen, ist unbekannt. Grundsätzlich bringen RoadTrip und Garmin-Geräte aber per se genügend Wegpunktsymbole für fast alle Geocaching-Zwecke (Beispiele zeigt der obige RoadTrip-Screenshot).

Weiterführende Links
Garmin and the Mac: http://www8.garmin.com/macosx/
Diesen Artikel als lesefreundlicheres PDF: geocaching.mac: RoadTrip statt MapSource

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