Sonntag, 10. August 2008
Geocacher’s Guide to Hamburg

Ich finde es immer wieder schön, in eine fremde Stadt zu kommen und diese dann mit Hilfe eines Multi-Caches kennenzulernen. In vielen Städten gibt es entsprechende Stadtführungs-Multis. In Hamburg allerdings nicht. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist unsere Stadt natürlich eine Metropole und so groß, dass mit einer noch zumutbaren Wegstrecke nur ein sehr kleiner Teil erlaufen werden könnte. Tatsächlich gibt es solche Caches ja auch vereinzelt, z.B. in der Speicherstadt. Zum anderen ist die ganze Stadt so dermaßen vollgeknallt mit Caches, die — archivresistent bis zum Gehtnichtmehr — inzwischen keinen Spielraum für neue Caches lassen. Dabei ist die Freie und Hansestadt natürlich einer der Touristenmagneten dieser Republik, nicht nur für Geocacher. Ich habe eine kürzliche Anfrage nach einem Stadtführungsmulti im Grünen Forum mal als Anlass genommen, darüber nachzudenken, was man Geocachern, die Hamburg als Touristen besuchen, wohl so anbieten könnte.
Vorschläge wie “Mach doch die “Wo bin ich?”-Serie von SuperMaX/ageta et al.” verbieten sich fast von selber. Kann denn ein Ortsfremder anhand von Detailfotos deren Locations in einer 1,7-Millionen-Stadt finden? Das gelingt ja selbst manchem Einheimischen nur im Anschluss an die Teilnahme an das monatliche Kneipensitzen, genannt “HCT-Klönschnack”, oder einen der anderen “Event-Caches”. Von Mystery-Caches lässt man als Fremder wohl schon instinktiv die Finger. Und auch für Multis fehlt einem als Tourist oder Geschäftsreisender ja auch oft die Zeit — wenn es denn nicht den einen, den einzigen Stadtführungsmulti gibt. Dass “alien visitors” ohne Deutschkenntnisse meist gänzlich aufgeschmissen sind, sei hier nur am Rande bemerkt (ich selber war natürlich bisher auch zu faul, meine eigenen Listings ins Englische zu übersetzen und wundere mich jedesmal, wenn ein Ausländer trotzdem eine meiner Dosen findet).

Welche Caches soll man also einem Hamburg-Besucher anbieten? Natürlich solche, die ihn an Orte führen, die diese Stadt ausmachen, die ihr Bild entscheidend prägen. Davon gibt es allerdings eine ganze Reihe in einer Millionenstadt. Mit welchen die Hansestadt selber wirbt, kann man sich im offiziellen Imagefilm anschauen, der “das Lebensgefühl Hamburgs, einer lebendigen und pulsierenden Metropole am Wasser“, vermitteln soll. Diesen Film habe ich als Basis genommen.
Den Werbefilm der Freien und Hansestadt Hamburg gibt es für Windows Mediaplayer oder für Apple Quicktime auf dem Mediaserver der Hamburg Marketing GmbH.
Und hier sind nun die Caches zum Film, entweder unmittelbar an den gezeigten Orten oder zumindest so gelegen, dass man die im Film gezeigten Bilder sehen kann:
1. Szene (Blohm & Voss, Dock 10): Vom Stintfang aus hat man den besten Blick auf die Docks.
Durch den Alten Elbtunnel (siehe Szene 16) und dann weiter geradeaus gelangt man zum Werfttor; wenn man schon mal hier ist, kann man auch gut noch schnell den Schlenker zum Aussichtspunkt Steinwerder machen. Besichtigung der Werft ist allerdings nur nach Voranmeldung und gegen Bezahlung möglich.
Vom Stintfang aus ist es in entgegengesetzter Richtung nur ein Katzensprung bis zur Amüsiermeile — dem Kiez, wie man in Hamburg sagt (siehe Szene 6).
2. Szene (Elbstrand): Hinterm Museumshafen Övelgönne beginnt der Strand.
Ab hier kannst Du beinahe durchgehend barfuß bis nach Düwelsbrück laufen, vorbei am legendären Sommerlokal “Strandperle” und am “Alten Schweden“. In Teufelsbrück angekommen, kannst Du bei Ebbe (und nur dann!) nach Mystphis “Likedeeler Goldschatz” graben. Oder Du nimmst die Fähre nach Finkenwerder und bist beinahe an der Location von Szene 20 (siehe dort).

3. Szene (Dockland): Der Name des Docklands ist angelehnt an die schick restaurierten Hafenanlagen in London. Star-Architekt Hadi Teherani hat hier einen 30 Millionen Euro teuren Büro-Glaspalast konzipiert, der wie der Bug eines Schiffes in der Elbe hineinragt. Sechs Stockwerke hoch, die Büros überschatten den Fluss 40 Meter weit. Mit (tagsüber) frei zugänglicher Aussichtsplattform auf dem Dach.
Nach 22 Uhr kannst Du vom Altonaer Balkon aus nicht nur das Dockland, sondern auch die “Großen bunten Eier” der Hamburger Stadtentwässerung auf dem Köhlbrandhöft gut sehen. Beliebter Treffpunkt für Liebespärchen.
4. Szene (Miniatur-Wunderland): Hier ist häufig Schlangestehen angesagt. Zur Überbrückung der Wartezeit liegt hier ein Cache.
Ist die Schlange zu lang, vertreibe Dir doch die Zeit im Slomanhaus. Das Kontorhaus ist eine echte Hamburgensie, das Treppenhaus gilt als das schönste von Hamburg. Und der Cache ist ebenfalls ein Highlight. Auf dem Weg dorthin schaust Du auch auf die Kehrwiederspitze.
5. Szene (Arena): Ob AOL- oder HSH/Nordbank-Arena, wie auch immer das Stadion gerade heißen mag, hier ist die Heimspielstätte der Fußballer des HSV.
Die Handballer spielen nebenan in der Colorline-Arena.
6. Szene (Nachtleben): Das “Docks” ist eine der größeren Diskotheken Hamburgs — am Spielbudenblatz, gleich neben dem Millerntor und am Eingang zu Reeperbahn und Heiligengeistfeld. Beim Bummel über “die Reeperbahn, nach der Freiheit rauf” (Hans Albers) kommst Du natürlich auch an einem Cache vorbei.
7. Szene (Rotlicht): Spätestens hier, auf der Großen Freiheit, bist Du dann im Rotlichtviertel. Sogar hier liegt ein Cache. Allerdings am nördlichen Ende der Freiheit, auf einem Privatgrundstück. Und so versteckt, dass man ihn kaum unauffällig suchen kann. Nachts schon gar nicht. Ich selber habe habe bislang einen Bogen um diesen Cache gemacht.
8. Szene (Oberhafenkantine): Die buchstäblich schrägste Imbissbude der Stadt.
Und Produktionsstätte der weltbesten Frikadellen. Nicht nur für Freunde der ARD-Vorabendserie “Großstadtrevier” ein absolutes Muss (die TV-Polizisten haben hier früher regelmäßig Pause gemacht).
9. Szene (Isestraße): Einer beliebtesten Wochenmärkte ist der Isemarkt unter der alten Hochbahntrasse zwischen den Haltestellen Hoheluft und Eppendorfer Baum. Hier präsentieren dienstags und freitags von 08:30 bis 14 Uhr mehr als 300 Händler auf fast einem Kilometer Länge dicht gedrängt ihr Warenangebot an ausgewählten Lebensmitteln. Ein Cache liegt hier natürlich auch, aber das ist ein Mystery — und ich will ja nicht Spoilen.
10. Szene (Hotel Atlantic): Der Cache, dessen Startkoordinaten an dem wohl berühmtesten der Hamburger Grand Hotels liegen, ist ein Mystery, der sicherlich vorab am Computer (oder in einer Bibliothek) gelöst werden will. Wer aber in der Nähe ist, kann ja auch auf die gegenüberliegende Gurlitt-Insel gehen und den Blick über die Außenalster auf die Türme der Stadt genießen.

11. Szene (Lombardsbrücke): Ausgangspunkt eines Latschmultis mit Schilderablesen, bei dem Du immer entlang mehrspuriger Hauptverkehrsstraßen (mindestens) einmal um die Binnenalster herumläufst (wer von der nächstgelegenen U-Bahn am Jungfernstieg aus startet, muss sich auf fünf Kilometer Wegstrecke einstellen). Dann doch lieber gleich rüber zum Alsterpavillon, dort entspannt die Wellen zählen oder mit einem der Schiffe der Alsterflotte einen Törn machen.
12. Szene (Alte Post): Blick an der florentinisch anmutenden Einkaufspassage “Alte Post” vorbei auf das Bleichenfleet. Wenn Du nun schon mal zum Shopping in der Innenstadt — im weltgewandten Hamburg heißt die übrigens Centrum (mit “C”) — bist, kannst Du eben auch hier noch vorbei und in der Nähe einen Cappucino schlürfen oder eine Stehlampe für zwölfhundert Euro kaufen.
13. Szene (Viewpoint HafenCity): 13 Meter hoch, zwölf Tonnen schwer, 120.000 Euro teuer, lackiert in “safety orange” (RAL 2005). 4lagig-deluxe hat seinen Cache hier leider archiviert. Aber das Maritime Museum und die sehenswerte Automobilausstellung PROTOTYP sind in fußläufiger Reichweite. Die Mikros in der HafenCity zwischen MiWuLa (siehe Szene 4) und dem Dalmankai erspare ich Euch. Die Bausünden, die sich als Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt darstellen, finde ich unerträglich. Und die Filmemacher haben wohl auch nicht ohne Grund diesen Teil der Stadt ausgespart.
14. Szene (CTA): Ganz weit ab vom Schuss, aber dort, wo Hamburg sein Geld verdient: Das Containerterminal Altenwerder. Zum Schutz vor Al Kaida ist hier im Hafen inzwischen alles eingezäunt. Aber am Altenwerder Leuchtfeuer kommst Du den Schiffen schon sehr nahe. An der Westseite der Kattwykbrücke gibt es eine Parkbucht für ein oder zwei Fahrzeuge. Von hier aus geht es zu Fuß auf der asphaltierten Straße am Spülfeld vorbei. Wenn Du vom Leuchtfeuer aus in westlicher Richtung weitergehst, kommst Du dorthin, wo früher einmal das Fischerdorf Altenwerder gestanden hat.
15. Szene (Feenteich): Nur vom Boot aus hat man hier einen privilegierten Einblick in die Gärten der Reichen und Schönen. Aber auch sonst gibt es hier eine schöne Aussicht — und nicht umsonst heißt die Straße am Ostufer des Alsterflusses genau so. Der geneigte Besucher mag selber entscheiden, ob es hier oder etwas weiter nördlich am schönsten ist, wo die Straße dann vornehm Bellevue heißt.
16. Szene (Alter Elbtunnel): Tagsüber fahren Autos durch die engen Röhren, aber abends und am Wochenende kannst Du hier in aller Ruhe gleich ein, zwei Caches finden. Am südlichen Ende wirst Du auf dem Steinwerder mit einem Panoramablick auf die Landungsbrücken belohnt (siehe auch Szene 1); eigentlich sollten Kameras mit einer Brennweite von weniger als 135 Millimetern gleich nach dem Verlassen des Elbtunnes konfisziert werden, damit die Erinnerungsfotos nicht ganz so Scheiße werden, aber die Zollstation hier ist geschlossen. ;-)
17. Szene (Pirat): Ist Euch aufgefallen, was der Freibeuter um seinen Hals trägt? Ja, genau! Hamburg hat ja noch einen weiteren großen Fußballclub. Auch der hat an seinem Stadion am Millerntor einen Cache.
18. Szene (Alsterhaus): Was Harrod’s in London oder das KaDeWe in Berlin, ist das Alsterhaus in Hamburg. Eigentlich auch nur ein Karstadt-Warenhaus, aber eben der gehobenen Kategorie. 40.000 Menschen tummeln sich täglich (außer sonntags) zwischen 10 und 20 Uhr auf den 24.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist wohl vor allem die Feinkostabteilung in der 4. Etage. Dort findet man neben einem Restaurant mit Alsterblick auch die Confiserie, Champagnerbar, Wein, Käse, Shops von Oschätzchen, Lindner und Lenffer.
Der nächstgelegene Cache liegt am Alsterpavillon (siehe Szene 11). Gleich um die Ecke, am Jungfernstieg, beginnt ein gleichnamiger Multi, der es allerdings in sich hat und u.U. für die zweite Station eine Internetrecherche erforderlich macht.
19. Szene (Deutsches Schauspielhaus): Gleich gegenüber dem südlichen Ausgang des Hauptbahnhofs liegt das Deutsche Schauspielhaus, mit 1192 Zuschauerplätzen das größte deutsche Sprechtheater. Einen Cache gibt es hier leider nicht. Vor der Tür liegen die Startkoordinaten eines Mysterys, der für ortsfremde Cacher allerdings nur schwer zu finden sein dürfte. Ein Stück weiter die Straße runter nach Norden beginnt ein netter Multi durch das Stadtteil Sankt Georg. Passend zum Namenspatron geht es auch hierbei um Drachen.
20. Szene (Airbus Beluga): Mit Chance kannst Du von der Rüsch-Halbinsel den Beluga, den Transportflieger von Airbus Industries, landen sehen. Er hat den Super-Guppy abgelöst, der nun als Exponat auf dem Airbus-Gelände in Finkenwerder steht. Ob man den wiederum von hier aus sieht, weiß ich gar nicht. Aber der Traditional namens Guppy ist momentan der Cache, der dem Airbus-Gelände am nächsten liegt. Nebenan gibt es noch einen weiteren Traditional sowie einen Multi. Wenn Du mit der Fähre von Teufelsbrück (siehe Szene 2) gekommen bist, ist der Weg vom Fähranleger Finkenwerder zu Fuß bis hierher fast zu weit; Airbus hat zwar einen eigenen Fähranleger, der ebenfalls von Teufelsbrück aus angefahren wird, aber die Reise endet dort für alle, die keinen Werksausweis besitzen, in einer Sackgasse. Also bitte nicht auf die Fähren mit Ziel “Airbus” steigen.

21. Szene (Wasserschloss): Das Holländischbrookfleet mit dem sogenannten Wasserschloss, aufgenommen von der Poggenmühlenbrücke. Fotografen sollten bei Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang kommen, der gemeine Geocacher hingegen kann den Cache am Wasserschloss zu jeder Tageszeit bergen, denn er liegt an dessen Rückseite (die eigentlich die Vorder-, weil Eingangsseite ist).
22. Szene (Überseebrücke): Zum Abschluss ist noch Gelegenheit zu einem kleinen Erinnerungsfoto: Einer der wenigen noch existierenden Hamburger Webcam-Caches befindet sich hier, an der Übersebrücke, an Bord des Frachters Cap San Diego. Man muss für das Foto nicht auf das Museumsschiff, aber man kann (gegen Gebühr). Und wer auf dem Weg hierher seine Augen fix offenhält, findet vielleicht sogar die Lösung zu meinem eigenen, allerersten Mystery-Cache.
Zu guter letzt gibt es hier eine Liste aller 44 hier aufgeführten Caches als GPX-File.
Welcome to Hamburg and happy hunting, geocachers.