Mittwoch, 13. August 2008
Instant Karma’s Gonna Get You
Ich gebe ehrlich zu, für diesen Artikel musste ich zunächst nachlesen, was “Karma” eigentlich bedeutet. Spontan fiel mir zu diesem Begriff nur der John-Lennon-Song “Instant Karma” ein, die dritte Solo-Single (just for the records: das waren diese kleinen schwarzen Scheiben, die eine A- und eine B-Seite hatten und mit 45 Umdrehungen pro Minute unter einem Tonabnehmer mit Saphirnadel rotierten) des Ex-Beatles, die insofern tatsächlich “instant” war, weil Lennon den Song vormittags geschrieben, noch am selben Tag im Abbey Roads Studio aufgenommen hat und die Scheibe nur zehn Tage später bereits in die Plattenläden kam.
Aber zurück zum Karma. Eigentlich ein sprituelles Konzept, insbesondere im Hinduismus und Buddhismus. Gibt es aber auch bei Geocachern. Ja, jetzt guckst Du! Habe ich auch, als Olli mir davon berichtete. Einer der bedeutendsten Anhänger des Prinzips vom Caching Karma: Dirk aus Hamburg, in Fachkreisen auch bekannt als “NDR”. Der bot mir damit eine willkommene Gelegenheit, gehörig darüber zu spotten, als ich ihn beim nächsten Mal traf. Ganz nach dem Motto “Lieber einen guten Freund verlieren, als einen dummen Spruch auslassen”.
Zur Verdeutlichung: Karma ist am besten, wenn man keines hat. Gutes bzw. schlechtes Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburt: Man kommt als höherer Mensch bzw. als niederer Wurm (wieder) auf die Welt. Um also der Tretmühle des Endloswiedergeborenwerdens zu entgehen, darf man eben gar kein Karma haben. Weil die Regeln für gutes oder schlechtes Karma aber unglaublich kompliziert sind, gelingt das vermutlich kaum jemandem. Also ab in die Reinkarnationsschleife — und täglich grüßt das Murmeltier.
Instant Karma’s gonna get you,
Gonna look you right in the face,
Better get yourself together darling,
Join the human race.(John Lennon)
Anders ist das mit dem Caching Karma. Dazu wird einfach nur die Zahl eigener Funde in Relation zur Zahl der Fundlogs der eigenen Caches gesetzt.
Nehmen wir also mal als Extrembeispiel Freund Olli: Das dicke O. hat derzeit rund 2.700 Funde auf der einen Seite, aber auf der anderen nicht einen einzigen Cache versteckt (O.K., bei einem ist er Mitbesitzer, aber die Fundlogs schlagen nicht bei ihm, sondern bei Teorlin & Gini zubuche). Ollis Caching Karma ist also 2.700 : 0 — und weil man durch Null nicht teilen kann, ist Ollis Karma auch irgendwie ganz und gar daneben, spirituell wie mathematisch. Nehmen wir an, der Divisor sei nicht null, sondern näherungsweise 1, dann wäre der Wert für Ollis Karma bei 2.700,0.
NDRs Caching Karma ist hingegen 1,0. Will heißen, die Zahl seiner Funde hält sich — ungeachtet kleinerer Rundungsfehler — die Waage mit der Zahl der Fundlogs bei den Caches, deren Owner er ist. Das war ihm immerhin so wichtig, dass er mich noch von seinem Urlaubsort auf einer einsamen Insel im Meer aus per E-Mail wissen ließ: “Es ist geschafft, mein Ziel ist erreicht ;-)”
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Die geneigten Leser und -innen werden sich nun vielleicht fragen, wann denn eigentlich gutes und wann schlechtes Caching Karma entsteht. Hat Olli jetzt also besonders viel gutes Karma, weil 2.700 ja ganz viel mehr als Eins ist? Oder hätte NDR, wenn er genausoviele Caches versteckt hätte wie Bernd B., das bessere Karma, weil sein Wert dann bei ungefähr 5.133 : 20.000 = 0,27 — und damit zweifelsohne näher an der Null, also am Nichts — liegen würde?
Nun, ich denke, das ist eine reine Glaubensfrage. Wie die ganze Geschichte mit dem Karma. Oder um es mit den Worten von John Lennon auszudrücken: What on earth you trying to do, it’s up to you, yeah you. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, lieber Dirk, zur 1,0.