Donnerstag, 20. November 2008
Die 10 deutlichsten Hinweise, dass man einen Cache nicht suchen muss
Ich knüpfe an dieser Stelle mal an die bereits veröffentlichte Liste der häufigsten Irrtümer beim Geocaching an. Wieder einmal habe ich mich eine Nacht lang hingesetzt und Listings nach typischen Floskeln und sonstigen Indizien untersucht, die darauf hindeuten, dass ein Cache zum Totalausfall wird und die Suche danach aller Voraussicht nach mehr Frust als Lust erzeugt. Hier das Ergebnis.
1. “Die Koordinaten sprangen vor Ort ziemlich, wer bessere hat, kann sie mir ja mailen.”
Zunächst einmal: Koordinaten springen nicht. Niemals. Koordinaten bezeichnen eine ganz bestimmte Position auf der Erdoberfläche. Und sofern es nicht zu einer spontanen, sehr heftigen Verschiebung der tektonischen Platten kommt, bewegen sich Koordinaten nicht. Schon gar nicht ruckartig.
Die Ermittlung von Koordinaten, die eine bestimmte Position bezeichnen, ist hingegen eine der Grundlagen des Spiels. Wer die nicht beherrscht, spielt vielleicht besser Minigolf?
2. “Dies ist unser erster Cache, also seid bitte etwas nachsichtig.”
Go and get a life! In welcher Welt gibt es denn Freischuss-Regelungen? “Das ist meine erste Abiturprüfung, also seien Sie nachsichtig, Herr Oberschulrat.” — “Das ist meine erste Autofahrt, seien Sie bitte nachsichtig, wenn ich Sie überfahre.” — “Das war meine erste Ehe, also sehen Sie es bitte nicht so ernst, Herr Richter.”
Hast Du nie den Spruch gehört, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt? Also gib Dir gefälligst von Anfang an Mühe. Oder geh Minigolfspielen.
3. “Meistens starke Muggelfrequenz – daher hoher Adrenalinfaktor!”
Totaler Bullshit. Was soll daran aufregend sein, wenn Passanten an einer Dose vorbeilatschen? Der Owner dokumentiert hier lediglich, dass er nicht die Fähigkeit besessen hat, ein Versteck so zu wählen oder anzulegen, dass das unauffällige Bergen des Behälters möglich ist. Für die Suchenden endet das regelmäßig in einer totalen Zeitverschwendung. Zumindest dann, wenn sie wirklich die Geduld aufbringen, so lange zu warten, bis sie tatsächlich unauffällig loggen können. Und diese Geduld hat beileibe nicht jeder. Schon gar nicht, wenn es nur um eine wertlose Filmdose geht. Da erzeugt selbst Minigolf mehr Adrenalin.
4. “Uvre tvog rf avpugf”
Wer Aussagen wie “Hier gibt es nichts” als verschlüsselten Hint anbietet, hat den Sinn dieser Hilfestellung offenbar nicht verstanden. Hints sind nicht dazu da, andere Cacher zu ver*rschen, sondern sollen als letztes Mittel dazu dienen, einem verzweifelten Sucher, der nach einer Anreise von 100 Kilometern einen 12-stufigen Multi mit Latschfaktor 10.000 absolviert hat, die erfolglose Suche nach dem Final doch noch zu einem Triumph werden zu lassen. Bevor man frustriert den GPS-Empfänger in die Ecke wirft und lieber Minigolfspielen geht.
5. “Dies ist eine Cacheserie, wie sie auf dem Kasseler Geocacher Stammtisch am 04.03.05 beschlossen wurde.”
Nichts gegen Caches an Kirchen. Aber diese Serie umfasst mittlerweile rund 850 aktive Caches. Wenn ich mir in der Wikipedia die Liste bedeutender Kirchenbauwerke in Deutschland anschaue, fällt die deutlich kürzer aus. Warum wohl?
Wenn jemand also schon keine eigene Idee für einen Cache hat, muss er seine Einfallslosigkeit ja nicht auch noch durch Beteiligung an einer stupiden Serie multiplizieren, egal ob sie Gotteshäuser, Keinkreuz, Minigolf oder sonstwie heißt. Und davon abgesehen schreibt man Geocacherstammtisch zusammen oder zumindest mit einem Bindestrich zwischen den beiden Substantiven (siehe dazu auch Nr. 9).
6.
10
3
Du kannst davon ausgehen, dass (geschätzt) höchstens jeder Vierte, der einen Cache nicht gefunden hat, auch ein DNF loggt. Den zehn dokumentierten Funden stehen bei obigem Beispiel zwölf vergebliche — drei dokumentierte und neun undokumentierte — Versuche gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich hoch, dass auch Du selber mehr als einmal nach diesem Cache suchen musst, bevor Du ihn schließlich findest. Wenn überhaupt. Mit diesem Versteck oder dem Listing stimmt vermutlich etwas nicht. Also schone Deine Nerven und gehe stattdessen lieber ‘ne Runde Minigolfspielen.
7. “Ich fand, dass hier unbedingt ein Cache hingehört!”
Gehört er nicht. Zumindest nicht in 99 Prozent aller Fälle. Und vielleicht gehört der Owner auch nicht zu den Geocachern, sondern zu den Minigolfspielern?
8. “Der Cache ist von Muggels umzingelt. Aber das macht doch gerade den Reiz aus, oder?”
Oder was? Was denn für einen Reiz? Wenn ich Sex haben will, würde ich wohl als allerletztes auf die Idee kommen, mich dazu mit einem GPS-Empfänger in eine Menschenmenge zu begeben. Knapp gefolgt von Minigolf.
9. Neun zu eins zu 30
Zugegeben, die deutsche Sprache ist tatsächlich nicht ganz einfach. Und sogar Leute wie ich, die sie beinahe täglich selber sprechen, haben bisweilen ihre Probleme damit. Und die Rechtschreibreform hat es ja nicht wirklich einfacher gemacht. Aber mal im Ernst: Wenn ein Listingtext aus nur 30 Wörtern besteht, die in einem einzigen Satz abgefasst sind, der dabei neun orthographische Fehler enthält, dann darf man am Cache wohl keine großen Überraschungen erwarten. Und man fragt sich ja schon, wieso jemand, der offensichtlich Probleme mit der Sprache hat, seine Texte nicht mal jemandem zum Korrekturlesen gibt, bevor er oder sie sich damit in aller Öffentlichkeit blamiert. Vielleicht wäre ja ein Hobby, bei dem man nur die Schlagzahl notieren muss, passender?
10. “Die Koordinaten sind mit Google Maps ermittelt, weil wir noch keinen GPS-Empfänger haben.”
Ein GPS-Empfänger ist so ziemlich der einzige zwingend notwendige Ausrüstungsgegenstand für die Teilnahme am Spiel. Denn es geht im Kern schlicht und einfach um das Aufsuchen eines bestimmten Ortes mit Hilfe eben eines solchen Gerätes. Würdest Du etwa Minigolf mit ‘nem Regenschirm spielen, weil Du keinen eigenen Schläger hast? Also besorge Dir das Sportgerät und lerne, damit umzugehen, bevor Du Dich zum Turnier anmeldest.