Sonntag, 1. Februar 2009

geocaching.mac — Die Evolution

apple-logo.jpg Olli hat es im Podcast bereits erwähnt: Oschn hat sich Anfang des Jahres einen Mac gekauft. Und möchte nie wieder etwas anderes benutzen. Aber gilt das auch, was Geocaching anbetrifft? Der Auftakt zu einer Artikelserie rund um die wichtigsten Softwaretools für Geocaching im Zeichen des Apfels.

Aller Anfang war iTunes
Begonnen hat alles mit einem iPod. Mrs. Smith hatte sich einen MP3-Player gewünscht und ich hatte entschieden, dass es ein „Original“ sein sollte: Ein iPod mini mit seinerzeit gigantischen 4 Gigabyte Speicher. Was folgte, war zunächst Ernüchterung. Denn der Tonerzeuger ließ sich nur mit Apple iTunes befüllen, das dazu zu installieren wäre. Unter Windows 2000, wohlgemerkt. Geht das denn überhaupt?
Und wie das ging! Die Ernüchterung schlug kurze Zeit später in Begeisterung um. Denn iTunes konnte alles. Alle Formate lesen und schreiben, es war übersichtlich, intuitiv zu bedienen und sah auch noch gut aus. Keine vierundzwanzig Stunden nach der Installation flogen Winamp & Co. von der Festplatte. Auf Nimmerwiedersehen. Und gleichzeitig reifte der Wunsch nach mehr: Mehr Apple, weniger Windows.

Das Ubuntu-Experiment
Zunächst führte mich ein Spontankauf allerdings zu einem Exkurs in die Linux-Welt. Ich hatte bei einem Second-Hand-Höker für 38,– Euro einen 833 Megahertz getakteten Pentium III gekauft. Die Kiste stammte aus der Verwaltung der Hamburger Stadtreinigung, hatte zwei CD-Laufwerke (R und R/W) und eine 20 GB Festplatte. Eine vorhandene WIN 2k-Lizenz ließ ich liegen und entschied mich stattdessen für Linux. Obwohl ich mit unixbasierten Systemen keinerlei Erfahrung hatte. Aber ich wollte ja weg von Microsoft Windows. Nach 24 Stunden nahezu durchgehender Frickelei und dem Ausprobieren verschiedener Derivate landete ich bei Ubuntu 7.04 (Feisty Fawn). Das Konzept sprach mich an, es sah gut aus und es lief, wenn auch etwas langsam, auf dem „neuen“ Rechner. Weitere 24 Stunden später hatte ich es endlich auch geschafft, das WLAN-Dongle zum Laufen zu bringen. Mit einem Windows-Treiber. Erste Ernüchterung schon nach zwei Tagen. Denn Windows war je gerade das, was ich nicht mehr wollte.

Nach dem Upgrade auf Version 7.10 (Gutsy Gibbon) funktionierten verschiedene Dinge nicht mehr so, wie sie sollten. Zum einen konnte ich keine MP3-Files mehr erzeugen. Auch die Tipps und Hinweise aus verschiedenen Foren und Wikis lösten mein Problem nicht. Zudem war besagtes WLAN-Dongle plötzlich extrem störungsanfällig. Möglicherweise ein Problem mit den USB-Treibern. Oder mit der Stromversorgung, denn darauf reagieren WLAN-Sticks sehr empfindlich. Auch der Hardware-Upgrade auf den Fritz WLAN-Stick v2, der sich an Windows-Rechnern nach dem Wechsel in den Sleep-Modus in der Regel anstandslos wieder anfahren lässt, brachte keine Verbesserung. Die Kommandozeile „sudo /etc/init.d/networking restart“, mit der das Netzwerk ab- und wieder angeschaltet wird, ging mir allerdings seitdem in Fleisch und Blut über.
Das nächste Upgrade habe ich noch mitgemacht. Irgendwie erhoffte ich mir davon die Lösung von Problemen. Aber Ubuntu 8.04 (Hefty Heron) machte alles nur noch schlimmer. Noch immer funktionierte der MP3-Encoder nicht. Ebensowenig wie das WLAN stabil lief. Und zusätzlich ließ sich nun eines der CD-Laufwerke nicht mehr anbinden.

So endete der Exkurs in die Linux-Welt nach 18 Monaten mit Enttäuschung. Die ständigen Software-Updates nervten ziemlich, von Funktionalität kaum eine Spur. Linux ist eben ein stets unfertiges Bastel-OS. Und ich will nicht basteln, sondern benutzen.

Obwohl mich auch diese Erfahrung einen entscheidenden Schritt weiter in Richtung Apple gebracht hat, möchte ich sie nicht missen. Schließlich basiert auch Apples Betriebssystem Mac OS X auf Unix. Der Abstecher in die Linux-Welt sollte mir später beim Umstieg auf den Mac hilfreich sein, insbesondere was das Dateisystem des Apple-Rechners anbelangt.

Ich telefoniere — iPhone
Die nächste Stufe auf der Leiter in den Apple-Himmel markierte die Anschaffung des neues Tragtelefons im Sommer 2008: Das Apple iPhone G3. Ursprünglich hatte ich warten wollen, bis Garmin das angekündigte Nüviphone auf den Markt bringen würde. Aber dann erreichte der Grad der inneren Verstaubung meines Nokia-Handys eine Größenordnung, die es kaum noch nutzbar machte. Gepaart mit den bei den Telefonen dieses Herstellers für mich schon gewohnten Ausfallerscheinungen: Vibrationsalarm unzuverlässig, anfällige Displays, Tastatur … na ja. Und das alles natürlich nach weniger als zwei Jahren, der üblichen Laufzeit der meisten Anbieterverträge.
Das vorzeitige Ableben meines Nokias in dritter Wiederholung führte auch hier dazu, dass ich, prinzipiell sehr markentreu, den Hersteller wechselte und mich für das ja nicht eben preiswerte iPhone entschied. Und ich habe diesen Entschluss bislang auf keinen Fall bereut. Zumal ich auf das Nüviphone noch immer warten würde. Und schließlich hat dessen Hersteller mit seinen jüngsten Produkten für Geocacher, insbesondere dem Colorado, bei mir nicht gerade hohe Punktwerte in Bezug auf Verarbeitung, Usability und Software Engineering erzielt.

The Final: MacBook
Am Schluss dieses mehrstufigen Prozesses stand der Wunsch von Mrs. Smith nach einem leichten, gut handhabbaren Notebook. Natürlich blieb sie von meinen Unmutsäußerungen über das speicherfressende Windows nicht unbeeinflusst. Ebensowenig wie von dem nicht wirklich funktionierenden Linux („Ich wollte vorhin was bei Amazon bestellen und das Netzwerk ging schon wieder nicht!“). Wir stopften uns also am 30. Dezember 2008 ein wenig Geld in die Taschen, gingen in den Laden und kamen mit zwei von kalifornischen Aluminiumarbeitern aus einem einzigen soliden Leichtmetallblock gefrästen MacBooks wieder heraus. Mit je einem 2 Gigahertz getakteten Intel Core Duo 2 Prozessor, 2 Gigabyte Hauptspeicher, 160 Gigabyte Festplatte, 3 MB L2-Cache, einem mit 1,07 Gigahertz rasenden Bus und Mac OS X 10.5.6 als Betriebssystem (soviel nur zum “Schwanzvergleich”).

Nur 40 Sekunden braucht der Rechner, bis er vollständig gebootet ist. Zwei Wochen habe ich gebraucht, um mich vollständig einzuarbeiten. In der Zwischenzeit flog das Microsoft Office:mac 2008 wieder von meiner Platte und wurde durch das eben erschienene iWork 09 ersetzt. Mrs. Smith hingegen will unbedingt das Original-Excel nutzen, um zu ihrem Arbeitsplatzrechner kompatibel zu sein und wir hatten deswegen eine 3er-Lizenz von Microsoft gekauft. Für die Nachbearbeitung meiner Fotos habe ich das preiswerte Adobe Photoshop Elements gekauft. Einen Virenscanner gab es gratis dazu. Aber den solle ich besser nicht installieren, sagte der Verkäufer. Der würde ja nur das System verlangsamen, was ja unnötig sein, denn gäbe schließlich keine Viren, die dem Mac schaden könnten..

To cut a long story short: Ich hätte es schon viel eher tun sollen. Und ich kann es nur empfehlen. Hatte ich die hohen Anschaffungskosten immer gescheut, muss ich nun feststellen: Der Rechner ist jeden Cent wert. Die Usability ist nach meinem Empfinden unübertroffen. Die Hardware ist erstklassig. Und die auf diese Hardware zugeschnittene Software ebenfalls. Beides ist aus einem Guss, und das spürt man sehr deutlich. Lediglich zum Nachtcachen ist der Rechner wenig geeignet, denn die Tastatur hat keine Beleuchtung. Aber wer würde schon einen elfhundert Euro teuren Missionscomputer einfach so bei Wind und Wetter im Cacherrucksack mitnehmen wollen? Na ja, Olli vielleicht. Er hat sich zwar in den vergangenen drei Jahren mindestens zwei neue Notebooks gekauft, das jüngste erst vor einem Vierteljahr. Aber nachdem er mein MacBook erstmal begrabbelt hatte, ließ er kurz darauf durchblicken, er habe sich mal in einem Fachgeschäft informiert; das MacBook Air könnte ihm schon gefallen …

Was bleibt, ist die Frage, ob man als Geocacher auch wirklich ohne Windows auskommen kann? Eben dieser Frage möchte ich in den folgenden Artikeln dieser Serie auf den Grund gehen.

  1. Teil: Raider heißt jetzt Twixx — RoadTrip statt MapSource
  2. Teil: MacCaching — Tools zum Verwalten von Listings
  3. Teil: Großes Fragezeichen — Tools für Rätselfreunde
  4. Teil: Pimp My Profile — Schöner Zählen mit dem Mac
  5. Teil: Kein Papier mehr da — Paperless mit Mac und iPhone

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