Donnerstag, 5. Februar 2009
geocaching.mac: Teil 2 — Tools zum Verwalten von Listings
Die Software zum Offline-Verwalten von Listings hat für viele Cacher oberste Priorität: GSAK, YaGcU, Geocache-Scanner oder Cachewolf heißen die Tools unter Windows. MacCaching, GeoJournal und GEObsession die für den Mac. Was können die einzelnen Tools? Ein Vergleich.
Um es gleich vorweg zu nehmen: GSAK läuft nicht unter Mac OS X. Wer darauf nicht verzichten kann oder will, bleibt auf Windows angewiesen. Das lässt sich übrigens problemlos auch auf einem Mac neuerer Bauart installieren. OS X in der Version 10.5 kommt mit einem Dienstprogramm namens Boot Camp, mit dem sich in wenigen Sekunden eine bootfähige Partition auf der Macintosh HD erzeugen lässt, auf der dann XP oder Vista installiert werden können. Zwar gibt es auch die Option, Windows (und andere 32-Bit-Betriebssysteme für x86 Intel Prozessoren) in einer virtuellen Maschine wie Parallels Desktop for Mac laufen zu lassen. Das spart zwar den Reboot des jeweils gewünschten Betriebssystems, läuft aber dem Vernehmen nach nicht immer stabil. Und kostenlos ist Parallels natürlich auch nicht (ca. 70 Euro). Und schließlich wollen wir ja feststellen, ob es auch ohne Windows geht.
iTunes für Geocacher
Aufgeräumt und sehr mac-alike kommt MacCaching daher. Von Umfang und Aufbau liegt es irgendwo zwischen GSAK und Cachewolf, kommt aber nicht an deren Funktionsumfang heran. Dennoch lohnt sich eine genauere Betrachtung, denn die Bedienung ist intuitiv und die Shareware auch ohne Lizenz voll nutzbar. MacCaching liest Wegpunkte aus dem Receiver und sendet sie auch dorthin. Geräte von Garmin und Magellan, die über eine USB-Schnittstelle verfügen oder an die ein Serial-to-USB-Adapter angeschlossen werden kann, werden unterstützt. Außerdem importiert die Software GPX- und LOC-Files. Die Daten werden in einer Gesamtliste gespeichert, aus der sich dann, wie man es von iTunes kennt, intelligente Listen erzeugen Lassen. Einzelne GPX-Dateien werden per Drag&Drop einfach der Datenbank hinzugefügt. Wirklich gut funktioniert MacCaching allerdings nur mit Pocketqueries von Groundspeak. Zwar können auch GPX-Files von Opencaching.de eingelesen werden, jedoch fehlen dann u.a. die Angaben über die Difficulty- und Terrain-Wertung, die letzten Logs usw. Ein Problem, das die meisten Geocache-Manager-Tools haben.
Das viergeteilte Fenster zeigt neben den Listen in der linken Randspalte die Cachedaten in einer Tabelle, die sich nach den unterschiedlichen Merkmalen auf- oder absteigend sortieren lassen. In zwei kleineren Fenstern darunter finden sich der Text des Listings und, sofern die Daten aus einem Pocketquery stammen, die jüngsten Logs. Der Doppelklick auf ein Listing in der Tabelle öffnet ein Fenster mit den Cachedaten, die hier auch editiert werden können. Auerdem gibt es eine Kartenansicht (Google Maps), einen Koordinatenumrechner und einen Entfernungsrechner.
Seine echte Spezialität liegt allerdings etwas versteckt und ofenbart sich erst, sobald man im Menü die Exportfunktion aufgerufen hat. MacCaching exportiert die Daten nicht nur in die üblichen Formate GPX, HTML oder Plain Text, sondern wandelt sie auf Wunsch auch für CacheMate bzw. vCard oder iPod Notes um. Damit stehen die Daten auch für das Paperless Caching auf dem Palm bzw. dem iPhone/iPod zur Verfügung. Ob man bei letzterem die Listings lieber im Texteditor oder im Adressbuch nachschlagen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.
Vermissen tut man drei Features: Es gibt keine Möglichkeit, eigene Notizen zu den Listings anzulegen, beispielsweise um Funde zu dokumentieren oder Lösungswege bei Mystery Caches. Das gilt übrigens auch für Bilder, insbesondere Spoilerfotos. Außerdem ist es nicht möglich, die Wegpunktsymbole zu ändern, geschweige denn eigene anzulegen. Und diejenigen, die viel unterwegs sind oder in unterschiedlichen Gegenden cachen, wird es vor allem stören, dass sie nicht mehrere Homecoords definieren können. Alle drei Wünsche wurden im dazugehörigen Forum bereits an den Entwickler herangetragen. Ich bin gespannt, was davon mit dem nächsten Update umgesetzt wird. Davon mache ich abhängig, ob ich die Sharewaregebühr in Höhe von 15 US-Dollar zahlen werde. Die Version 1.3.0 war für Ende Januar avisiert, ist aber bislang nicht erschienen.
My Geocaching Diary
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt GeoJournal. “Plan, manage, and record all of your geocaching adventures“, heißt es im Beschreibungstext. Es kommt zwar noch in einigermaßen in Mac-Optik daher, wirkt aber auf den ersten Blick ein wenig unübersichtlich. Das liegt allerdings an der Vielzahl von Features, die sich unter den zahlreichen Buttons und hinter den Pulldown-Menüs verbergen.
GeoJournal liest LOC- und GPX-Files; die von Opencaching.de allerdings mit den üblichen Einschränkungen, das heißt, es werden nur Cache Name und Koordinaten dargestellt. Der Clou ist allerdings der integrierte POP3-Client, der die von Groundspeak versandten Pocketqueries direkt auf dem Mailserver abholt und importiert. So bleibt die Datenbasis auch ohne Zutun des Benutzers immer aktuell.
Die Listings lassen sich in selbstgewählte Kategorien sortieren. Der Nutzer muss dies allerdings manuell tun. Die Wegpunkte lassen sich, nachdem im Setup die korrekten Einstellungen vorgenommen wurden, mit einem Mausklick an den GPS-Empfänger senden. Unterstützt werden Geräte von Garmin, Lowrance, Magellan und TomTom. Daneben lassen sich die Daten auch als CacheMate PDB, Apple iCal, GPX oder Text exportieren.
Neben einer Schnittstelle zum Browser, mit der sich die Originallistings aufrufen lassen, besitzt GeoJournal auch eine Schnittstelle zu Google Maps. In einem separaten Fenster werden wahlweise die Cachedetails oder eine Karte mit den Cachekoordinaten oder den aktuellen Homecoords angezeigt. Es lassen sich beliebig viele Heimatkoordinaten definieren.
Die im Vergleich herausragenden Features sind allerdings die Itinerary-Funktion und das Journal, das hier namensgebend war. Im Journal können zu jedem Listing neben Datum und Uhrzeit des Funds nicht nur Notizen, sondern auch Fotos (per Drag&Drop) gespeichert werden. GeoJournal wird damit zum Tagebuch vergangener Caching-Abenteuer.
Diese wiederum können mit Itinerary (dt.: Anfahrreihenfolge) geplant werden. Man wählt dazu die Listings in der Übersicht aus und klickt auf „Add to Itinerary“. Die ausgewählten Caches werden dann im zweiten Fenster angezeigt, wo sie manuell in der gewünschten Reihenfolge sortiert werden können. Anschließend können diese „Caches along the Route“ dann exportiert werden, u.a. auch für Google Earth.
GeoJournal bietet die Funktionen, die MacCaching noch fehlen. Und darüber hinaus. Es ist momentan das universellste Geocaching-Programm auf dem Markt, allerdings mit 25 US-Dollar Shareware-Gebühr auch das teuerste. Vor dem Hintergrund, dass das komplette Office-Paket Apple iWork 09 momentan bereits für 70 Euro zu haben ist, erscheint der Preis doch leicht überhöht. Hier gibt es auch keine Alternative zum Bezahlen: Die Demo-Version funktioniert nur zwei Wochen lang ohne Einschränkungen.
Für Besessene
Schlanker geht es kaum: Zweigeteiltes Hauptfenster, oben Tabelle mit Listings, unten Wahlweise Cache-Details oder Google Map. Wer nicht lange mit Dateien und Listings hantieren oder sich in die Bedienung umfangreicher Programme einarbeiten will, ist mit GEObsession gut bedient. Listingtexte, Hints oder Fotos gibt es keine. Dafür aber die Möglichkeit, eine Found Note inklusive Datum zu jedem Listing zu speichern. LOC- oder GPX-File von GC oder OC in die Spalte links ziehen, bei Bedarf eigene Filter für die übersichtlichere Sortierung definieren. Einzelne Cachedateien lassen sich auch direkt in das Listing-Fenster ziehen und werden dann automatisch der Liste hinzugefügt, die in der linken Spalte gerade aktiv ist. Und anschießend ab damit auf den Garmin- oder Magellan-Empfänger. Dort erzeugt GEObsession Waypoints mit „sinnvollen“ Wegpunktbezeichnungen, das heißt, nicht der GC- oder OC-Code, sondern der abgekürzte Cachename plus die Werte für Difficulty und Terrain werden zum Dateinamen.
GEObsession ist Freeware, die aktuelle Version ist 0.5.0 und damit noch Beta, alle implementierten Features funktionieren aber. Nur die „Preferences“ lassen sich noch nicht bearbeiten. Und eine Hilfedatei gibt es auch nicht. Die braucht man aber auch nicht wirklich. Stattdessen genügt es, die zehnzeilige Note zu lesen, die neben dem Programm im Paket liegt.
Kaffee für den Wolf
Die zweite kostenlose Alternative heißt Cachewolf. Davon gibt es zwar keine Version für Mac OS X, aber eine für Java. Und Java-Runtimes gibt es natürlich auch für Mac. Damit läuft Cachewolf mit allen von Windows bekannten Funktionen. Sieht nur nicht ganz so gut aus, wie unter Windows. Aber weil auf allen Betriebssystemen exakt die selbe Datenstruktur verwendet wird, können Dateien zwischen PC, PDA und Mac leicht ausgetauscht werden. Wer also Cachewolf bereits kennt, weiß, welches mächtige Tool er damit hat. Besonders geeignet ist das Programm für Nicht-Premium Member, denn es importiert die vollständigen Listings nicht nur aus GPX-Dateien und Pocketqueries, sondern auch direkt vom GC- oder OC-Server. Bei GC nennt man das „Spidern“, ist unerwünscht und kann zur Sperre des Accounts führen, wenn es exzessiv betrieben wird, bei OC heißt das schlicht „Download“ und ist zumindest nicht verboten. Abgesehen davon gibt es ja umfangreiche Möglichkeiten, sich Listen und Suchergebnisse von Opencaching.de als GPX-File herunterzuladen, und das kostenlos und für jedermann.
Der frühere Windows-User braucht sich also nicht umstellen, wenn er Cachewolf weiter nutzen will. Die Installation ist problemlos, das Paket wird einfach in den Application Folder gezogen. Zum Start des Programms muss dann die Datei CacheWolf.jar aufgerufen werden.
Lediglich die Funktion, aus der Übersicht auf die Website eines Listings zu gehen, habe ich noch nicht aktivieren können. Aber das liegt vermutlich nur daran, dass ich im Setup den Pfad zum Webbrowser fehlerhaft eingegeben habe.
Cachewolf ist Open Source. Weil die Entwickler Geocacher aus Deutschland sind, ist der Support über das grüne Forum gut gewährleistet.
Fazit
Obwohl ich unter Windows nach YaGcU und dem Geocache-Scanner auch Cachewolf genutzt habe und damit sehr zufrieden war, werde ich umsteigen, wobei ich mich zunächst auf MacCaching konzentrieren werde. Es kommt meinen individuellen Bedürfnissen nach einem übersichtlichen, einfach zu bedienenden Tool am nächsten. Für die schnelle Cachetour zwischendurch behalte ich GEObsession zusätzlich im Application Folder.
Wer auf Dokumentation seiner Funde besonderen Wert legt, der ist mit GeoJournal besser bedient. Und für denjenigen, der zwischen Windows, Linux, PDA und Mac hin und her wechselt, lohnt sich sicherlich die Einarbeitung in Cachewolf.
Weiterführende Links
Aktuelle Versionen von Geocaching-Tools: www.versiontracker.com
Diesen Artikel als lesefreundlicheres PDF: geocaching.mac: Tools zum Verwalten von Listings