Freitag, 20. März 2009
Holy MACkerel!
Prolog: Die “Follower” meines “Twitter Tweets” wissen es bereits: Mein iPhone hat das Zeitliche gesegnet. Nach nur wenig mehr als sechs Monaten ließ es sich seit gestern Nachmittag nicht mehr starten. Betriebssystem abgestürzt. Das Gerät verlangte, zwecks Wiederherstellung mit iTunes verbunden zu werden. Und das ausgerechnet, während ich mich auf einer Dienstreise befand (der Bürojob, Ihr wisst schon). Und aus Gründen der Gewichtsersparnis nur eine kleine Tasche mitgenommen hatte, aber nicht mein MacBook.
Nun war ich allerdings zufällig gerade in München. Und München beherbergt Deutschlands einzigen Apple Store, direkt am Marienplatz. Weil ich sowieso am Hofgarten zu tun hatte und die nächstgelegene S-Bahn-Station direkt vis-à-vis der Glasfassade mit dem leuchtenden Kernobst-Logo lag, entschied ich kurzerhand, dem gelobten Apfel-Land einen Besuch abzustatten, um zu sehen, was man dort für mich tun könne.
Kapitel 1: Im Erdgeschoss begrüßen mich zwei sehr junge Menschen in orangefarbenen T-Shirts, auf denen zu lesen ist, dass ihr zweiter Vorname “Helfen” sei. “Wunderbar”, sage ich, “Hilfe ist nämlich genau das, was ich jetzt brauche.” Und dass es sich um mein iPhone drehe. Die beiden zücken ihrerseits je ein iPhone und beginnen, auf dem Touchscreen zu scrollen. “Sie müssen an die Dschienijus Bar”, sagt der eine, “mal sehen, wann wir den nächsten freien Termin haben — ah, 13 Uhr 50, das ist ja gleich.” Er dreht sich zu einem der dort allenthalben herumstehenden MacBooks um, fragt mich nach Vorname, Name, Mailadresse und trägt die Daten in eine Eingabemaske ein. Ich solle nun ein Stockwerk höher gehen und mich dort erneut an jemanden in orangefarbenem Shirt, dessen zweiter Vorname “Helfen” ist, wenden. Ich gehe, meinen Koffer hinter mir herzerrend, die Treppe rauf.
Kapitel 2: Oben angelangt schaue ich mich um. Rechts und links sind Regale und ein paar Verkaufstische, auf denen Docking-Stations und alle erdenkliche Soft- und Hardware stehen. Im hinteren Bereich, der von der besagten Fensterfront mit dem großen, leuchtenden Apfel-Logo dominiert wird, steht rechts und links jeweils ein Tresen. Davor stehen je acht Barhocker, dahinter bis zu vier Mitarbeiter an Arbeitsplätzen, die im wesentlichen aus einem 15-Zoll-MacBook Pro bestehen. “Genius Bar” steht darüber. Und dahinter zeigen große Flatscreen-Monitore die Namen derjenigen Kunden, die als nächstes bedient werden. Mein Name steht ganz oben auf der Liste der nächsten Kunden in Sachen iPhone/iPod.
Ich warte, was nun wohl passiert. Zwei Teenies (orange, “Helfen”) tauchen auf. Ob sie mir helfen könnten? Ich trage erneut mein Begehr vor. Sie schauen auf den Flatscreen, wo mein Name ganz oben steht, und erklären mir, ich sei gleich an der Reihe.
Kapitel 3: Am rechten Tresen wird der Kunde mit dem iMac, der ein Grafikkartenproblem hat, beiseite geschoben, weil er zunächst mit seinem Chef telefonieren muss, was zu tun sei. Der Apple-Experte mit dem dunkelblauen T-Shirt winkt mich heran und nennt mich beim Vornamen. Whow! “Feng” steht auf seinem Namensschild. Und auf seinem dunkelblauen Corporate T-Shirt lese ich, dass nicht alle Helden Masken tragen. Ich erkläre Feng, dass sich mein iPhone nicht starten lässt und nach iTunes verlangt. Und dass ich auf der Durchreise sei.
Er hängt mein Tragtelefon an ein PowerBook und wartet, dass es booten möge. Es dauert verdächtig lange und er erklärt, dass es schon mal bis zu zwei Minuten dauern könne.
Aber es bootet nicht. Feng zieht die Augenbrauen hoch. Er holt ein weiteres MacBook und versucht es damit erneut. Keine Reaktion. Er entnimmt die SIM-Karte, reinigt alle Öffnungen des iPhones mit Druckluft und spechtet mit einem Ohrenspiegel hinein. Er setzt die SIM-Karte wieder ein und versucht erneut, das Telefon zu starten. Erneut Erfolglos. Ein aus einer Schublade hervorgeholtes zweites iPhone beweist immerhin, dass die SIM-Karte noch O.K. ist.
Schlechte Nachrichten, konstatiert Feng. Mein iPhone sei wohl hinüber, da könne man nichts machen, Betriebssystem futsch. Das sei allerdings nicht das eigentliche Problem, Denn er würde mir normalerweise nun ein Ersatzgerät aushändigen. Allerdings hätten sie gerade keines da. Ob ich demnächst vielleicht mal wieder nach München käme? Oder nach Rom, England, USA? “Nein”, sage ich, nur nach Hamburg, und da gibt es keinen Apple Store. “Noch nicht”, sagt Feng, “aber Hamburg kommt als nächstes dran.” — “Cool!”, freue ich mich, “wir kriegen einen Apple Store in Hamburg?” Soweit er wisse, sei Hamburg als nächster Standort geplant, erklärt Feng. Die Schwierigkeit sei, dass man mir das Telefon nur in einem Apple Store tauschen könne. Würde ich es dorthin bringen, wo ich es gekauft habe, nämlich in einem T-Punkt, dann würden die Telekom-Leute es einschicken. Und dann könne es schon mal ein paar Wochen dauern, bis ich ein neues bekäme. Ich ziehe die Stirn in Falten. Feng greift zum Telefon.
Kapitel 4: Feng telefoniert mit jemandem im Backoffice. Ob die Ersatzteillieferung heute schon angekommen sei? Ja, sei da. Ob Artikel mit der Bezeichnung Soundso-soundso dabei sei? Ja, einer? Und frei verfügbar? Nein, sei vorbestellt. Aha. Er, Feng, habe hier einen wichtigen Kunden (sic!), der auf Geschäftsreise sei und es unbedingt bräuchte. Einen Augenblick später verschwindet Feng und lässt mich alleine sitzen vor der Genius Bar. Der Kaputte-Grafikkarte-Typ sitzt auch noch neben mir rum und stopft sich Haribo-Weingummis in den Hals, ohne mir auch mal welche anzubieten.
Fünf Minuten später taucht Feng mit einem kleinen, braunen Päckchen wieder auf. Er öffnet es und nimmt ein nacktes iPhone aus der Schaumgummihülle. Nachdem er meine SIM-Karte aus dem alten Gerät entnommen und in das neue eingesetzt, dieses dann mit dem MacBook verbunden hat, fordert er mich auf, meine PIN einzugeben. Sekunden später habee ich ein nagelneues iPhone in den Händen. Ohne Kaufbeleg oder Garantieurkunde des alten vorweisen zu können. Einfach so, so einfach. Alles, was ich noch tun musste, war den Empfang zu quittieren. Nach zwei Unterschriften auf einem Bogen Papier verlasse ich den Apple Store, denn ich muss schleunigst zum Flughafen.
Epilog: Um 14:43 Uhr, kaum eine Stunde nach dem Betreten des Apple Stores, sitze ich in der S-Bahn Linie 8 zum Münchener Flughafen und tippe den ersten Twitter-Tweet, während im Hintergrund 37 E-Mails geladen werden.
Danke, Feng!
Danke, Apple!