Freitag, 7. August 2009
Regel Nummer 1
Heute Morgen erhielt ich einen Anruf, der mich in meiner Überzeugung weiter bestärkt hat, wie wichtig es ist, sich an die oberste Regel zu halten:
First rule of geocaching: You do not talk about geocaching.
Ich bin reichlich dafür gescholten worden, dass ich einen Cache archiviert habe, nachdem ein paar Newbies ihn den Landownern gezeigt hatten. Mir tat das nicht zuletzt deshalb weh, weil es eine besonders skurrile Location und ein ebenso skurriles Versteck war, das damit verbrannt war.
Anfang Juli wiederholte sich die Geschichte bei einem anderen meiner Caches. Dieser befand sich hinter einem gewaltigen Findling an der Hofeinfahrt der Rausdorfer Wassermühle, die von Rüdiger Nehberg bewohnt wird. Ich habe ohne viel Aufhebens das Listing noch am selben Tag archiviert, an dem jemand im Log beschrieb, er sei angesprochen worden, was er denn da täte, woraufhin er demjenigen Geocaching erklärt habe.
Einmal noch ist der Cache seitdem geloggt worden, denn ich hatte zwischenzeitlich keine Gelegenheit, die Dose zu entfernen.
Heute rief mich eben jener Herr an, der seitdem ein Auge auf den Cache geworfen hat, und stellte sich als Mitarbeiter von Herrn Nehberg vor. Dieser fände die Idee von Geocaching zwar grundsätzlich gut, aber es sei in jüngster Zeit zunehmend zu Vandalismus in seinem Vorgarten gekommen. Efeu sei ausgerissen und Steine seien umgedreht worden. Das könne er nicht leiden, wofür ich nur volles Verständnis habe.
Auf meine Einlassung, dass das Listing schon seit mehr als einem Monat archiviert sei, entgegnete er, dass aber trotzdem immer mal wieder Leute im Vorgarten zugange gewesen seien.
Ich resümiere mal kurz: Der Cache lag beinahe drei Jahre lang an dieser Stelle und ist in dieser Zeit 105 Mal gefunden worden, fünfmal nicht. Offenbar ist es niemandem aufgefallen, dass mehr als einhundert Leute hinter dem großen Findling das Efeu untersucht haben.
In den Wochen seit seiner Kompromittierung und Archivierung ist augenscheinlich nur ein einziger Cacher vor Ort gewesen. Es ist zwar nicht völlig auszuschließen, dass dieser Einzelne sich dort wie die Axt im Walde benommen hat, aber nehmen wir zu seinen Gunsten mal das Gegenteil an. Jedenfalls werden plötzlich Veränderungen negativ wahrgenommen.
Ich leite daraus zwei Schlussfolgerungen ab:
1. Caches werden von Muggles als störend empfunden, sobald sie Kenntnis von ihrer Existenz erhalten.
2. Caches, die kompromittiert wurden, sind ohne Umschweife zu archivieren; andernfalls werden die Geocacher auch dann für Veränderungen in der Umgebung des Verstecks verantwortlich gemacht, wenn sie nachweislich keine Schuld trifft.
Übrigens: Der schließlich sehr freundliche Herr Weber rief mich einen Moment nach dem ersten Telefonat noch einmal an und bot mir ein alternatives Versteck an. Er habe mit Herrn Nehberg gesprochen, die Dose einstweilen am alten Platz deponiert und den Inhalt mit ein paar Autogrammkarten von „Sir Vival“ aufgewertet.